15 Jahre nach der Gräueltat am Gutenberg Gymnasium

23. Apr 2017

„Elster: 11 sofort Gutenberg-Gymnasium ...“ Am 26. April jähren sich die schrecklichen Geschehnisse am Gutenberg Gymnasium Erfurt zum 15. Mal. Damals hatte ein 19-Jähriger elf Lehrer, eine Referendarin, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten ermordet und sich anschließend selbst getötet. Die Landespolizeiinspektion (LPI) Erfurt will nun mit einer Ausstellung an die Gräueltat erinnern. Sie spiegelt die Perspektive der Polizeibeamten und sie lädt zum Teilen mit anderen Perspektiven ein. Vom 26. April bis 6. Mai sind die Wort- und Bilddokumente auf Schautafeln im T.E.C. Erfurt zu sehen.

Die LPI Erfurt hat dafür bewusst auf Effekthascherei verzichtet. Es gibt weder martialische Bilder oder Waffen zu sehen, es gibt auch keine einseitigen Schuldzuweisungen. Wie die Initiatoren betonen, soll eine Bloßstellung der Opfer vermieden und die Würde des Menschen über den Tod hinaus gewahrt bleiben. Im Vordergrund stehe eine Aufarbeitung von chronistischem Wert. Auf den Begriff Amok wollen die Ausstel-lungsmacher weitgehend verzichten, denn: „Es war Massenmord“.

Unterstützt wurde die Landespolizeiinspektion von einem Beratergremium, der Gutenberg-Direktorin Christiane Alt, Kulturdirektor Dr. Tobias J. Knoblich, Dirk Löhr (stellv. Redaktionsleiter Thüringer Allgemeine), Thomas Müller (Redakteur TA) und Redaktionsleiter Frank Karmeyer von der TLZ Erfurt angehörten.
Die Ausstellung soll zeigen, welche Solidarität die Menschen in Erfurt und weit über dessen Grenzen hinaus in der gemeinsamen Wut und Trauer erfasste und wie das Geschehen unmittelbar danach aufgearbeitet wurde. Sie beleuchtet auch die Arbeit der Polizei, „die selbst tief von der Situation, dem Verlust in den eigenen Reihen, natürlich auch von Selbstvorwürfen und von Vorwürfen anderer betroffen, eine sachliche Untersuchung leisten mussten, und dem BKA“, so die Veranstalter. 

Von Fairness bis Verantwortungslosigkeit

So wurde auch der erste Funkspruch vom 26. April „Elster: 11 sofort zum Gutenberg Gymnasium“ bewusst als Titel der Ausstellung gewählt, diverse weitere werden in der Schau nachzulesen sein. Dort wird zudem ein Blick gerichtet auf Mitschüler und Menschen der Stadt oder auf die Medien und deren Umgang mit der ihnen obliegenden Verantwortung im Zusammenhang mit dem Geschehen. „Wir, die Polizeibeamten erlebten Fairness und Verantwortungslosigkeit der Medienvertreter vor Ort und der Printmedien“, heißt es in einem Bericht zur Vorbereitung der Ausstellung. „Da gab es die, die eine regelrechte Jagd auf die Betroffenen veranstalteten, um den besten Platz für das sensationellste Foto kämpften, die, die boulevardisierten, und die, die dokumentierten, behutsam Bilder einfingen, die Würde von Opfern und Betroffenen respektierten.“ 

15 Jahre später spürt die Polizei noch immer den Nachwirkungen nach. Die Schau im T.E.C. will Fragen nachgehen, wie das Geschehene verarbeitet werden konnte, aber auch, wie Ähnliches künftig vermieden werden könnte. Letztlich soll sie „Anstoß und Raum zum Nachdenken sein, zur gemeinsamen Diskussion darüber, was wirklich wichtig ist im Leben.“